Rückenschmerzen adé: Was Sie über den Bandscheibenvorfall wissen müssen

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Ein stechender Schmerz im Rücken, der vielleicht sogar bis ins Bein ausstrahlt – für viele Menschen ist das der Moment, in dem das Wort „Bandscheibenvorfall“ zur beängstigenden Gewissheit wird. Doch was genau passiert dabei eigentlich in unserem Körper? Und viel wichtiger: Sind wir unserem Schicksal hilflos ausgeliefert?

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie ein Bandscheibenvorfall entsteht, welche Rolle Ihr Lebensstil spielt und wie wir Orthopäden Ihnen helfen können, wieder schmerzfrei durch das Leben zu gehen.

Was ist eigentlich ein Bandscheibenvorfall?

Unsere Bandscheiben sind die natürlichen Stoßdämpfer der Wirbelsäule. Sie liegen wie kleine Wasserkissen zwischen den Wirbelkörpern. Jede Bandscheibe besteht aus einem festen äußeren Faserring und einem weichen, gallertartigen Kern.

Von einem Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) sprechen wir, wenn der Faserring reißt und der Gallertkern nach außen tritt. Drückt dieses Gewebe dann auf einen umliegenden Nerv, entstehen die typischen Schmerzen, Taubheitsgefühle oder im schlimmsten Fall Lähmungserscheinungen.

Die Risikofaktoren: Warum trifft es wen?

Ein Bandscheibenvorfall ist selten das Ergebnis eines einzigen Ereignisses. Meist ist er das Resultat einer langfristigen Überlastung oder Degeneration.

1. Das Alter: Der natürliche Verschleiß

Mit den Jahren verlieren die Bandscheiben an Flüssigkeit. Sie werden spröder, flacher und weniger elastisch. Dieser Prozess beginnt oft schon ab dem 30. Lebensjahr. Je weniger „Pufferkraft“ die Bandscheibe hat, desto leichter kann der äußere Ring einreißen.

2. Der Arbeitsplatz: Fluch des Sitzens

Wir sind eine „sitzende Gesellschaft“. Wer acht Stunden starr vor dem Monitor verbringt, setzt seine Lendenwirbelsäule einem enormen Druck aus. Die Muskulatur erschlafft, und die Bandscheiben werden ungleichmäßig belastet. Aber auch körperlich schwere Arbeit – insbesondere das Heben schwerer Lasten aus dem Hohlkreuz – ist ein klassischer Auslöser.

3. Haltung und Fehlbelastung

Die sogenannte „Smartphone-Schulter“ oder ein Rundrücken im Sitzen führen dazu, dass der Druck auf die Vorderkante der Bandscheiben massiv ansteigt. Das presst den Gallertkern nach hinten in Richtung der Nervenbahnen.

4. Ernährung und Lebensstil

Ja, auch die Ernährung spielt eine Rolle! Bandscheiben sind nicht direkt an den Blutkreislauf angeschlossen; sie werden durch Diffusion (ähnlich wie ein Schwamm, der ausgedrückt und wieder losgelassen wird) mit Nährstoffen versorgt.

  • Wassermangel: Wer zu wenig trinkt, riskiert, dass die Bandscheiben schneller „austrocknen“.

  • Rauchen: Nikotin verschlechtert die Durchblutung des Gewebes rund um die Wirbelsäule und behindert die Nährstoffaufnahme.

  • Übergewicht: Jedes Kilo zu viel belastet die Statik der Wirbelsäule zusätzlich.

Prophylaxe: So schützen Sie Ihren Rücken

Die gute Nachricht ist: Sie können aktiv vorbeugen!

  • Dynamisches Sitzen: Wechseln Sie im Büro regelmäßig die Position. Ein höhenverstellbarer Schreibtisch ist die beste Investition in Ihre Rückengesundheit.

  • Gezielter Muskelaufbau: Nicht die Wirbelsäule trägt Ihren Körper, sondern die Muskulatur. Starke Bauch- und Rückenmuskeln bilden ein natürliches Korsett.

  • Richtiges Heben: Gehen Sie in die Knie und halten Sie den Rücken gerade, wenn Sie schwere Gegenstände anheben.

  • Nährstoffreiche Ernährung: Achten Sie auf ausreichend Magnesium, Calcium und Vitamin C (wichtig für den Kollagenaufbau) sowie eine hohe Flüssigkeitszufuhr.

Was der Orthopäde tun kann: Wege der „Reparatur“

Die Diagnose „Bandscheibenvorfall“ bedeutet heute zum Glück nur noch in den seltensten Fällen eine sofortige Operation. Über 90 % aller Fälle lassen sich konservativ erfolgreich behandeln.

Die konservative Therapie

Unser Ziel ist es, den Schmerz zu lindern und die Entzündung am Nerv zu hemmen, damit der Körper Zeit hat, das ausgetretene Gewebe selbstständig abzubauen.

  • Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel und Entzündungshemmer nehmen den ersten Druck.

  • Infiltrationstherapie (PRT): Hierbei spritzen wir unter bildgebender Kontrolle (z. B. Ultraschall oder CT) Medikamente direkt an die betroffene Nervenwurzel.

  • Physiotherapie: Ein gezieltes Training hilft, Fehlhaltungen zu korrigieren und die Muskulatur zu stärken.

Wann ist eine Operation nötig?

Eine Operation ziehen wir erst in Betracht, wenn konservative Maßnahmen über Wochen nicht helfen oder Alarmsignale auftreten, wie:

  • Lähmungserscheinungen in den Beinen oder Armen.

  • Funktionsstörungen von Blase oder Darm.

  • Unerträgliche Schmerzen, die auf keine Therapie ansprechen.

Moderne Verfahren sind heute mikrochirurgisch. Über einen winzigen Schnitt wird unter dem Mikroskop nur das Gewebe entfernt, das auf den Nerv drückt. Die Bandscheibe selbst bleibt dabei weitestgehend erhalten.

Fazit

Ein Bandscheibenvorfall ist ein Warnsignal des Körpers, aber kein Grund zur Verzweiflung. Mit der richtigen Kombination aus moderner Medizin, gezielter Bewegung und einem rückenfreundlichen Alltag lässt sich die Lebensqualität fast immer vollständig wiederherstellen.

Haben Sie aktuelle Beschwerden oder möchten Sie Ihr individuelles Risiko checken lassen? Vereinbaren Sie gerne einen Termin in unserer Praxis. Wir schauen uns Ihre Wirbelsäule gemeinsam an!


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©2025 Orthopädiezentrum am Venet Haus Neu-Ulm. Alle Rechte vorbehalten.



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